Von Ameise bis Zebramanguste: Tierische Inventur im Zoo Osnabrück

Wie zählt man Ameisen? Wie viele Polarfüchse leben im Zoo Osnabrück? Und wie lang ist die Zunge einer Giraffe? Das große Zählen zum Jahreswechsel im Zoo Osnabrück ist abgeschlossen und alle Zahlen zusammengetragen – der Zoo zieht tierische Bilanz.

In den vergangenen Wochen zählten die Tierpfleger im Zoo Osnabrück wie immer zum Jahreswechsel alle tierischen Zoobewohner – von der über vier Meter hohen Giraffe bis zum nur wenige Zentimeter großen Baumsteigerfrosch. „Natürlich wissen wir bei fast allen Tierarten immer, wie viele Zoobewohner wir haben, denn jeden Morgen schauen die Tierpfleger als erstes nach ihren Schützlingen“, erklärt Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Kurator im Zoo Osnabrück. „Aber einmal im Jahr tragen wir alle Zahlen zusammen, um auch einen Vergleich zum Vorjahr zu haben.“ Auch an Behörden wie das Veterinäramt oder die Naturschutzbehörde müssen die Daten regelmäßig übermittelt werden.

Am 1.1. 2020 lebten im Zoo Osnabrück 2.238 Tiere aus 292 Arten – 21 Individuen weniger, dafür drei Arten mehr als im Vorjahr. „Das heißt natürlich nicht, dass 2019 nur drei neue Arten zu uns gekommen sind und 21 Tiere nicht mehr hier leben – das ganze Jahr über findet ein stetiger Wechsel statt.“ So verlassen Tiere im Rahmen von Zuchtbuchprogrammen den Schölerberg oder ziehen neu nach Osnabrück. Auch falle manchmal durch den Tod eines einzelnen Tieres eine ganze Tierart im Bestand des Zoo Osnabrück weg, wie Wulftange erklärt: „Beispielsweise lebten im Tetra-Aquarium noch viele Fische, die die letzten Vertreter ihrer Art bei uns im Zoo waren. Mit ihrem Tod verschwindet dann auch die ganze Art aus unserem Bestand.“ Allein im Tetra-Aquarium seien im Laufe des vergangenen Jahres 13 Tierarten nicht mehr vertreten, dafür 17 neue eingezogen. Einige Aquarien seien umgestaltet und daher auch einige Fische an andere zoologische Einrichtungen abgegeben worden.

Erfreuliche Geburten und Neuzugänge

„Im vergangenen Jahr sind auch neue Tierarten eingezogen. Besonders freuen wir uns über die Waldrappe, die im Frühjahr 2019 als Unterbesatz der Mönchsgeier einzogen“, erklärt der Biologe. Waldrappe sind eine vom Aussterben bedrohte Ibisart, die durch eine starke Bejagung im 17. Jahrhundert in Europa beinahe ausgestorben ist. „Wir sind ebenfalls froh darüber, einzelnen Tier-Individuen wie dem Schwarzbär-Weibchen ‚Honey‘ helfen zu können: Sie haben wir Ende letzten Jahres aus einer sehr schlechten Privathaltung auf Malta bei uns aufgenommen. Die maltesischen Behörden hatten darum gebeten. Die Bärin hat sich toll bei uns eingewöhnt“, freut sich Wulftange. 2019 habe der Zoo Osnabrück auch einige erfreuliche Geburten verzeichnet, wie der Kurator feststellt: „Erstmals seit sehr langer Zeit haben Pinguine und Flamingos eigenständig ihren Nachwuchs großgezogen. Das war wirklich toll. Und mit ‚Franz, das Zebra‘ lebte das erste Mal seit 20 Jahren wieder ein Zebra-Jungtier am Schölerberg.“ Ein wahrer Geburten-Marathon hielt die Tierpfleger in der nordamerikanischen Tierwelt „Manitoba“ auf Trab: Hier kamen sieben Hudson Bay-Wölfe, zwei Bisons, drei Schnee-Eulen, zehn Polarfüchse und ein Baumstachler zur Welt.

Neben den neuen Bewohnern hatten die Tierpfleger auch viele altbekannte Zoobewohner zu zähen: Vier Netzgiraffen, 13 Silberfüchse oder auch 52 Nacktmulle. „Einige Tiere sind natürlich leicht zu zählen, wie unsere Giraffen, Rentiere oder auch die verschiedenen Affen. Korallen aber werden als eine ‚Einheit‘ gezählt oder Ameisen als ein Volk.“ Doch die Inventur sei immer nur ein kleiner Ausschnitt und schnell wieder hinfällig, da die Tierwelt stetig im Wandel sei, so Wulftange.