Flurbereinigung Schwege III nach 14 Jahren fast beendet

„Wenn viele Räder ineinandergreifen, kann etwas Gutes gelingen. Dafür ist die Flurbereinigung ein Paradebeispiel“, sagte der Bohmter Bürgermeister Klaus Goedejohann im Gasthaus Knostmann in Meyerhöfen, wo die Abschlussveranstaltung des Flurbereinigungsverfahrens Schwege III stattfand.

Zu dem Termin gehörten Theorie und Praxis sowie ein Frühstück. Hermann Steuwer, der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft, fasste das Projekt, dessen Anfänge bis in das Jahr 2000 zurückreichen, so zusammen: „Wir haben das, glaube ich, das vernünftig gemacht.“ Inzwischen seien auch die restlichen Grundbuchersuchen an das Grundbuchamt gegangen. Restmittel in Höhe von 37.000 Euro würden an die Gemeinde Bohmte übertragen. Verbunden sei damit eine Verwaltungsvereinbarung, dass das Geld zweckgebunden für die Infrastruktur im Verfahrensgebiet der Flurbereinigung Schwege III verwendet werden. Goedejohann erinnerte daran, dass neue Wege gegangen worden seien. Wo mooriger Untergrund vorhanden war, wurde nicht asphaltiert, sondern geschottert. „Das ist ein Erfolgsmodell für den landwirtschaftlichen Verkehr und die Unterhaltungskosten der Gemeinde.“ Bezeichnend, so Steuwer sei, dass das Flächenaustauschverfahren weitgehend auf freiwilliger Basis erfolgte.

Das dritte Verfahren

Friedrich Völler, Dezernatsleiter beim Amt für regionale Landentwicklung (ArL) Weser Ems, Geschäftsstelle Osnabrück, verwies darauf, dass der Name Schwege III schon sage, dass die Beteiligten Erfahrungen in der Flurbereinigung hatten: „Das hat dem Verfahren gut getan.“ Er erinnerte daran, dass der erste Stein zu dem jetzt fast beendeten Verfahren im Jahr 2000 ins Wasser geworfen worden war. Entscheidende Stichworte waren damals der schlechte Wegezustand, Kiesabbau und der Schilfpolder am Dümmer. Mitte des Jahres fanden Informationsveranstaltungen beim Landvolk Hunteburg und beim Landvolk Rüschendorf statt – Landwirte aus dem Dammer Raum besitzen Flächen in Schwege. Früh habe man sich Gedanken über die Unterhaltung der landwirtschaftlich genutzten Wege gemacht.

1629 Hektar

Der Bereich der Flurbereinigung Schwege III umfasst 1629 Hektar. Zu den ursprünglich veranschlagten 1550 Hektar waren weitere Flächen hinzugekommen. Betroffen war 250 Teilnehmer. In den Jahren 2005 und 2006 wurden 32 Kilometer ländliche Wege ausgebaut, davon 15,7 Kilometer geschottert. Das wiederum bedeutet, dass erhebliche Flächen entsiegelt wurden. Darüber hinaus wurden 2,5 Hektar Feuchtbiotop und 1,7 Hektar Extensivgrünland ausgewiesen. Werbung

Brücken ertüchtigt

Die Gesamtkosten beliefen sich auf 2,9 Millionen Euro, von denen rund 2,6 Millionen auf den Wegebau entfielen.  Die Finanzierung  erfolgte durch Zuschüsse der EU, dem Bund, dem Land  sowie durch Beiträge der Teilnehmer (125 Euro je Hektar Besitz) und der Gemeinde Bohmte (944.000 Euro). Wichtig auch, dass innerhalb des Verfahrens zwei Brücken, die Hülsingbrücke (am Hülsingweg) über die Hunte und eine Brücke über die Elze  nahe des Streithorstweges ertüchtigt werden konnten. Völler: „Eine Besonderheit des Verfahrens ist, dass keine Widersprüche gegen die Einleitung eingelegt wurden.“ Und nach dem Abschluss auch kleine Klage beim Oberverwaltungsgericht. Der Dezernatsleiter: „Wir sind mit den Grundeigentümern gut klargekommen. Das gesamte Projekt war von einem gewissen Gemeinsinn getragen.“ 

Wo liegt Schwege III?

Das Gebiet der Flurbereinigung Schwege III erstreckt sich zwischen Dammer Straße im Westen bis zum Rüschendorfer Damm im Osten. Im Norden endet die Verfahrensfläche an der Gemeindegrenze zur Stadt Damme (Tannendamm), im Südosten an der Grenze zu NRW und im Süden an der Reininger Straße.

Eingeleitet wurde das Verfahren 2005, abgeschlossen 2019. Völler: „14 Jahre Laufzeit sind ein gutes Ergebnis.“ Dank richtete er an die Vorstandsmitglieder, die harmonisch und vertrauensvoll zusammengearbeitet hätten. Er verwies darauf. dass vor dem Beginn in der Regel eine gewisse Skepsis herrschte, durchaus unvermutete Hindernisse wie mooriger Untergrund auftauchen, aber Ende der Flurbereinigung klar sei, dass das Verfahren als Instrument „nicht so schlecht ist“. Das zeige sich auch daran, dass ein Verfahren häufig Nachfrage nach weiteren in der Umgebung auslöse.

Guten Zustand erhalten

„Jetzt haben wir hier die Wege in Ordnung, und weitere Flurbereinigungsverfahren stehen an. Nun gilt es, zu überlegen, wie der gute Zustand erhalten und die Unterhaltung gesichert werden kann.“ Uwe Bühning, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbands Obere Hunte, meinte, dass dafür ein Wasser- und Bodenverband (durch den Landkreis) gegründet werden könne. Dann könnte eine Umlage wie bei der Gewässerunterhaltung erhoben werden. Ein Vorstand unter Beteiligung der Gemeinde gehörte ebenso dazu. Offen sei die Frage, ob die Landwirtschaft das im Wittlager Land wolle. Bühning: „Im Mai wird eine Informationsveranstaltung des Landvolks stattfinden.“ Für Fläche, die sich aktuell in einer Flurbereinigung befänden, für die die Besitzer zahlen müssten, könnte ein reduzierter Satz veranschlagt oder die Zahlung ausgesetzt werden. Steuer griff das Thema auf und sagte: „Wenn wir so etwas anfangen wollen, müssen wir das tun, wenn die Wege in Ordnung sind.“ Er ergänzte: „Flurbereinigungen waren auch mit einem solchen Wasser- und Bodenverband in Zukunft möglich.“