Das Hotel „Zur Wiederkehr“ am Kirchplatz Ostercappeln


Sie heißt Hotel „Zur Wiederkehr“ – die Schlafstelle für alleinstehende Wohnungslose, in der bis zu zwei Personen übernachten können. Eingerichtet wurde sie 1992 im katholischen Pfarrhaus der St. Lambertus Kirchengemeinde Ostercappeln. Am Samstag, 4. November, wird das 25-jährige Bestehen gefeiert.

Die Idee entstand im Rahmen der Christlichen Erwachsenenbildung, die immer Bildungsangebote den beiden Ostercappelner Kirchengemeinden offerierte. Was bieten wir für Obdachlose an? Diese Frage wurde 1991 bei der Programmaufstellung aufgeworfen. „Damals haben wir ein Seminar mit dem Titel „Kein Platz in der Herberge“ angeboten; die Resonanz war sehr groß“, erinnert sich Johannes Hunfeld, der damalige Leiter der Christlichen Erwachsenenbildung.

Einen Arbeitskreis gebildet

In einem Rollenspiel seien Wohnungssuchende und Wohnungsbesitzer dargestellt worden. „Das hat so eine Betroffenheit ausgelöst, dass wir sofort einen Arbeitskreis gebildet haben. Daraus ist im Laufe eines Jahres die Entscheidung entstanden, die Schlafstelle (nach Beschluss des Kirchenvorstandes) im katholischen Pfarrhaus zu etablieren. Ideengeber, der das Ganze angestoßen hat, war Oskar Dreyer“, blickt Hunfeld auf die Anfänge zurück, der bis heute der Motor der Gruppe ist.

Eine ökumenische Einrichtung

Da die Schlafstelle eine ökumenische Einrichtung ist, kommt das 16-köpfige Team aus beiden Ostercappelner Kirchengemeinden. Neben Dreyer und Hunfeld gehören Günter Mauntel, Helga Berghegger, Dietmar Kutz, Frank Ortmeyer, Alois Wilker, Matthias Schmeddes, Stefan Berendsen, Christoph Schröder, Rainer Brackmann, Olaf Dehne, Edmund Willen, Erich Woltmann, Josef Hermanspann und Michael Müller dazu. Träger ist das Diakonische Werk Melle, das mit der katholischen Kirchengemeinde einen Mietvertrag abgeschlossen hat. „Dadurch ist die Absicherung gegen Risiken wie Feuer oder Unfall gewährleistet“, stellt Hunfeld dar. Wie finanziert sich die Schlafstelle? „Wir können einen Kostensatz mit dem Sozialamt abrechnen, der Heizung, Miete, Reparaturen, Wäsche, Reinigung…abdeckt. Die Gemeinde refinanziert das wiederum beim Kreis-Sozialamt“, erläutert der gebürtige Emsländer, der ab 1985 Verwaltungsleiter des Krankenhauses Ostercappeln war.

7420 Übernachtungen

In den vergangenen 25 Jahren hat es rund 7420 Übernachtungen gegeben. „Wir haben einen Aufnahmezettel, wo die Personendaten festgestellt werden. Daher ist uns bekannt, dass einige zum Beispiel gebürtige Stuttgarter, Duisburger oder Lingener sind“, erklärt der Vater von zwei erwachsenen Kindern und Opa eines Enkelkindes und ergänzt: „So wissen wir, wo sie geboren sind und wo der Ausweis ohne festen Wohnsitz ausgestellt wurde. Also ist immer eine Rückverfolgung möglich.“ In der Regel würden die Obdachlosen einen Tag bleiben. „Wenn sie freitags kommen können sie bis Montagmorgen bleiben. Sie bekommen Bettwäsche ausgehändigt, die am nächsten Tag wieder abgezogen wird“, verdeutlicht der 68-Jährige, der einmal pro Woche die Schmutzwäsche zum Krankenhaus bringt, wo sie über die Firma Glosemeyer gewaschen wird. „Wir haben einen Wäschestandard, den ich bei Bedarf bei der Firma wieder abrufe“, bemerkt Johannes Hunfeld, dass es die gleiche Wäsche wie im Krankenhaus und daher kostengünstig sei.

Team der Ehrenamtlichen

Von dem Team der Ehrenamtlichen übernehmen immer zwei Personen für 14 Tage den Dienst. „Sie müssen um 18 Uhr an der Schlafstelle sein, um zu schauen, ob jemand da ist“, veranschaulicht der Ostercappelner. Manchmal sei auch ein Gespräch gewünscht. „Denn manche kennen wir sehr lange, sodass schon fast eine Wiedersehensfreundschaft entstanden ist“, sagt Hunfeld lächelnd mit Blick auf den Namen Hotel „Zur Wiederkehr“. Einen Schlüssel der Einrichtung hat auch die „gute Fee“ Josefine Fietz, die nach den Übernachtungen die Räume reinigt. „Sie wird ebenfalls über den Kostensatz vergütet und kauft schon mal Tasse, Teller oder Topf, ergänzt, was nicht mehr brauchbar ist“, definiert der Ehrenamtliche. Etwa alle 3-4 Monate treffe sich der Kreis, um den Arbeitsplan neu zu erstellen. „Das ist Hilfe für Menschen, die direkt vor mir stehen“, sei die Motivation zum Weitermachen, so Hunfeld, der lachend meint: „Ein Rentenaustrittsalter gibt es hier nicht.“ Neben der Schlafstelle singt er im Übrigen im Lambertichor mit, der in nächster Zeit einige Auftritte absolviert. „Wir würden uns freuen, wenn neue Sänger mit jungen, frischen Stimmen zu uns kommen“, so der Ruheständler, der zudem seit 1998 Zweiter Vorsitzender und Schriftführer der Ambulanten Herzgruppe Bad Essen-Ostercappeln-Bohmte ist.

In der Schützenhalle

Zum 25-jährigen Bestehen der Schlafstelle wurden die Bürgermeister der Gemeinden eingeladen, aber auch Obdachlose. „Wir sorgen dafür, dass sie an dem Abend in der Schützenhalle eine Schlafstelle haben. Dort ist mit einigen Mitgliedern des Arbeitskreises eine Übernachtung vorgesehen. Wir wollen Rückschau halten, aber auch Dank der Nachbarschaft sagen, die das immer wohlwollend mitgetragen hat sowie den Spendern, die uns unterstützt haben“, blickt Hunfeld auf den 4. November.

2007 habe man sogar den Niedersachsenpreis für Bürgerengagement bekommen. „Dadurch konnten wir eine Küche und Mobiliar anschaffen“, zeigt der frühere Verwaltungsleiter auf, der sich für die kommenden Jahre wünscht: „Dass es mit der Schlafstelle so reibungslos weiterläuft wie bisher und dass die Menschen, die obdachlos sind, vielleicht eine Bleibe finden.“