Trockenheit ein Problem – In 14 Tagen beginnt die Weizenernte


„Von hui bis pfui“ – so hat ein Lohnunternehmer die Ergebnisse der Gerstenernte im Osnabrücker Land beschrieben. Obwohl die Bewertung nur einen Ausschnitt aus dem Südkreis wiedergibt, bestätigt eine Kurzumfrage die Ergebnisse für den Bereich rund um Osnabrück. Die Anbauflächen haben sich nur minimal verändert, bestätigte Andreas Kopmann von der Landwirtschaftskammer Osnabrück. Insgesamt wurden im Landkreis auf 14.469 Hektar Gerste angebaut (2016: 14.546 Hektar).

Drei Faktoren spielen eine gewichtige Rolle bei Wachstum und Reife von Getreide – Bodengüte, Düngung und Pflege und nicht zuletzt das Wetter. Die Trockenheit Ende Juni dürfte Weizen und Triticale, deren Ernte in etwa 14 bis 20 Tagen beginnen wird, sehr zugesetzt haben. „Das wird wohl wesentlich weniger an Ertrag werden“, mutmaßt Ralf Tiemann aus Belm-Icker, der mit seiner Gerstenernte vollauf zufrieden ist. Achteinhalb Tonnen pro Hektar konnte er einfahren: „Damit liegen wir wohl ziemlich an der Spitze“.

Lange Trockenheit

Auch Ernst Linnemann aus Rulle, der seine Gerste komplett an seine Schweine verfüttert, ist mit seinem Ergebnis „trotz der langanhaltenden Trockenheit sehr zufrieden“. Der Vorsitzende des Landvolks Wallenhorst hat aber auch von Erträgen von nur drei Tonnen pro Hektar gehört: „Das ist extrem standortabhängig. Die leichten, sandigeren Böden in Hollage bringen weniger als die schwereren, lehmigeren Böden in Belm, die die Feuchtigkeit länger halten und den Pflanzen zuführen können“.

Die Qualität der auf seinen Feldern geernteten Gerste bezeichnete Linnemann als top, zurückzuführen gerade auf die Trockenheit seit Pfingsten. Für das Ernteergebnis der Wintergerste war wieder einmal entscheidend, wer im zeitigen Frühjahr gedüngt hat: „Der war jetzt klar im Vorteil“.

Tränen in den Augen

„Einigen standen Tränen in den Augen“, berichtet Hubert Möller vom gleichnamigen Landhandel in Bad Laer. Die Bandbreite der Ergebnisse auf den eher sandigen, leichten Böden im Südkreis lag bei vier bis sechseinhalb Tonnen pro Hektar. „Das ist für unsere Region ein schlechtes Ergebnis“. Den Grund sieht in der mehrwöchigen Trockenheit mit der Hitze Ende Juni, die zu einer Notreife führte und stellenweise einen frühen Start der Gerstenernte schon in der letzten Juniwoche auslöste.

Henning Schulte-Uffelage vom Landvolk Hilter bestätigte, dass aufgrund der langen Trockenheit und der Hitze im Juni die Gerste stellenweise zu früh abgereift war. Der Ertrag im Raum Hilter lag auf unterschiedlichen Böden zwischen sieben und neun Tonnen, vereinzelt nur sechs Tonnen pro Hektar. Schulte-Uffelage: „Für uns war das eine normale Ernte“. Im letzten Jahr lagen die Erträge bei siebeneinhalb Tonnen.

Gerstensaft

Die frühe Abreife der Wintergerste freute besonders die Landwirte im Raum Schledehausen. Pünktlich mit dem Startschuss zum örtlichen Schützenfest war das letzte Korn unter Dach und Fach. So konnte man gelassen die heranziehenden Regen- und Gewitterfronten betrachten und sich dabei das eine oder andere Glas Gerstensaft genehmigen, während Landwirte in anderen Regionen um Osnabrück in der letzten Woche wegen des Regens nicht ernten konnten.

Das bestätigte Hermann Wesseler, Vorsitzender des Bauernverbandes Bissendorf: „Wir konnten hier die Gerste trocken einfahren“. Das Ergebnis auf den schwereren Böden lag zwischen acht und neun Tonnen pro Hektar, während in Regionen mit überwiegend sandigen Böden 6,5 Tonnen nicht überschritten wurden. Die Preise liegen knapp einen Euro niedriger als letztes Jahr, Tendenz fallend. Landwirte, die ihre Ernte einlagern können, dürfen hoffen, dass die Preise in einigen Wochen und Monaten wieder steigen, um dann ihre Ware auf den Markt zu bringen.

Geheimnisvoll

Hans-Josef Avermann, Geschäftsführer der landwirtschaftlichen Genossenschaft RWO in Melle, Bissendorf und Bad Essen, schätzt die Ernte der Wintergerste als „recht ordentlich“ mit gutem Hektolitergewicht. Damit wird das spezifische Gewicht bezeichnet: bei Gerste 57 bis 67 kg/hl. Auch die Feuchtigkeitsgehalte passten: „Das meiste wurde trocken angeliefert“. Die Erträge bezifferte er in dem Einzugsgebiet seiner Genossenschaft zwischen fünf und achteinhalb Tonnen pro Hektar. Dass auf guten, also schwereren Böden nicht immer die besten Erträge zu erzielen seien, habe sich 2016 gezeigt: „Da lagen die leichten Böden vorn“. „Aber so ist die Natur“, meinte Avermann, „alle Geheimnisse kennen wir noch nicht“.